Prof. Dr. Kurt Mühler

Universität Leipzig, Institut für Soziologie

Die Frage scheint trivial. Auf Viktimisierung bezieht sich die ursprüngliche Erklärung des Zu-standekommens von Kriminalitätsfurcht bzw. des Sicherheitsempfindens. Das Erklärungsar-gument ist dem Alltagsdenken entnommen und weist die Gestalt von Selbstevidenz auf. Mit der Entstehung empirischer Forschung zur Kriminalitätsfurcht kam es jedoch zu einer zu-nehmenden Enttäuschung über die geringe Wirkung von Viktimisierung auf Kriminalitäts-furcht. Das führt dazu, dass bereits Meinungen vertreten werden, Viktimisierung aus dem theoretischen Kanon herauszunehmen, mit dem die Entstehung von Kriminalitätsfurcht zu erklären versucht wird. 

Auf zwei Annahmen, welche die Bedeutung von Viktimisierung für das Zustandekommen von Kriminalitätsfurcht stützen, soll anhand empirischer Untersuchungen eingegangen werden: 1. Viktimisierung wirkt vorrangig nicht direkt, sondern indirekt über die Viktimisierungserwartung und eine gesteigerte Wahrnehmung von Unordnung im Wohnviertel auf die Kriminalitäts-furcht. 2. Nicht Viktimisierung allein, sondern die Bewältigung einer Viktimisierung ist ent-scheidend für den Einfluss auf die Intensität der Viktimisierungserwartung und der Kriminali-tätsfurcht.

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